Nachtrag zu „Von Physik und Psyche“

Als ich diesen Beitrag geschrieben habe, bin ich schon davon ausgegangen, dass ich damit polarisiere und provoziere. Ich habe mit mehr Feedback gerechnet als ich tatsächlich bekommen habe. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass so viele den Beitrag als Beschreibung meiner gegenwärtigen persönlichen Situation interpretieren.

Ich halte nichts davon, persönliche beziehungsweise private Probleme mit der breiten Öffentlichkeit zu teilen und deswegen werde ich das auch nicht tun. Über solche Themen spreche ich nur im Freundeskreis und auch dort nur begrenzt. Ich habe mich in der Vergangenheit aus unterschiedlichen Gründen mit dem Thema Depressionen beschäftigen müssen. Wer meinen Beitrag aber aufmerksam und vollständig gelesen hat, wird erkennen, bis zu welchem Grad mein Verständnis geht und wo es endet.

Aus diesen Grund würde ich hier nicht über eigene Depressionen schreiben und finde daher auch „Mitleidsbekundungen“ aufgrund meines Beitrags unpassend.

Es ist richtig, dass die Betroffenen Hilfe brauchen und Zuspruch ist da ein guter Anfang. Auf Dauer wird es aber nicht reichen. Professionelle Hilfe ist unersetzlich, besonders bei schweren Fällen. Wie ich in meinem Kommentar zum letzten Beitrag schon erklärt habe, ist diese nicht so leicht zu bekommen.

Der Beitrag war meine Reaktion auf die öffentliche Diskussion der letzten Wochen zum Thema Depression und dem Umgang mit Menschen, die daran erkrankt sind. Leider habe ich das anscheinend nicht genügend deutlich gemacht.

Von Physik und Psyche.

Ein Versuch, das Unverständliche zu verstehen.

Seit ich gelernt habe, einfache Traurigkeit von einer ernsthaft depressiven Phase zu unterscheiden, habe ich die Depression verglichen mit einem tiefen Loch, in das man fällt. Das Gefühl der Depression schien die Angst zu sein, am Ende des Fallens unten aufzuschlagen. Gleichzeitig hat man sich die Rettung gewünscht: ein Seil, an dem man sich festhalten kann; jemand der einen da wieder raus zieht, egal wie tief unten man ist. Wenn es niemanden gab, der einem dieses Seil hätte zuwerfen können, hat man sich gewünscht, endlich aufzuschlagen. Hauptsache diese Angst endet.

Neuerdings habe ich ein anderes Bild vor Augen: Ein schwarzes Loch, wie man es in der Astrophysik kennt. Man könnte nun fragen: Wo ist der Unterschied? Loch ist Loch, oder nicht?
Im ersten Moment unterscheiden sich beide tatsächlich nicht sehr: in ein tiefes Loch in der Erde fällt man aufgrund der Gravitation, also Anziehungskraft der Erde. Auf das schwarze Loch stürzt man zu, ebenfalls aufgrund der Gravitation, dieses Mal die des schwarzen Lochs selbst,  welches ein unheimlich massereicher Himmelskörper ist. Da fangen die Unterschiede schon an. Continue reading

Worauf warte ich eigentlich?

Wenn man einen freien Tag für Erledigungen zum größten Teil mit Warten verbringt, kann das schon ärgerlich sein. Oder man stellt sich vorn vorn herein darauf ein und hat genug zum Lesen dabei. Dafür nehme ich mir sonst eh nicht genug Zeit. Irgendwann kommt man trotzdem an den Punkt, wo man auch davon eine Pause braucht, wo man zum Nachdenken kommt oder vielleicht durch eine kurze Unterhaltung auf andere Gedanken gebracht wird.
Genau das ist mir gestern in der Werkstatt passiert, als eine nicht mehr ganz so junge Dame mir von ihrem Campingbus erzählte, in dem sie nun im Ruhestand eigentlich mit ihrem Hund durch Europa Reisen wollte. Und dass es ihr gesundheitlich inzwischen nicht mehr möglich ist. Eigentlich sei es Unsinn, den Bus zu behalten, zumal sie noch ein anderes Auto hat und mittlerweile eh nur noch wenig fährt. Warum verkauft sie den Wagen dann nicht? Nun – er erinnert sie an ihren Lebenstraum, egal, ob der sich nun noch erfüllt oder nicht.
Und dann fragte sie mich nach meinem Lebenstraum. Ob sie geahnt hat, dass sie da einen wunden Punkt trifft? Einerseits war ich froh, dass just in dem Moment der Werkstattmeister kam und sagte, dass ihr Wagen fertig ist. Andererseits wäre es vielleicht besser gewesen zu hören, wie meine Antwort gewesen wäre. Denn im Moment kenne ich meinen Lebenstraum nicht. Nichts verrücktes, was ich unbedingt mal tun will. Aber auch kein allgemeines Lebensziel. Alle, die ich hatte, habe ich entweder erreicht oder sie sind in meinen Augen unerreichbar geworden.
Schade, vielleicht wäre die Antwort genau das gewesen, was ich im Moment am meisten brauche.

Frohe Weihnachten

Allen meinen Freunden, Familienangehörigen und Bekannten wünsche ich ein

Frohes Weihnachtsfest!

Ich habe mich in den letzten Monaten bei vielen nicht so oft gemeldet, wie ich es eigentlich wollte, aber ich hoffe ganz stark, dass sich das bald ändert und ich wieder mehr Zeit für meine Lieben habe!
Aber nun feiert erst mal schön und lasst Euch reich beschenken.

London 2013, vierter und letzter Tag

Heute sollte unsere Reise also schon enden. Aber erst am Ende eines stramm durchgeplanten Tages.

Checkout

Der Wecker klingelte ziemlich früh, schließlich wollten wir den Tag ja noch sinnvoll nutzen. Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen schon mal so weit es ging zusammen. Wir mussten das Zimmer vor 11 Uhr räumen, konnten unser Gepäck aber, wie am Tag der Anreise, bis zu unserer Abreise zwischenlagern. Schließlich wollten wir noch einmal in die Innenstadt, ein wenig shoppen.

Oxford Street

Laut Reiseführer gibt es an der Oxford Street etwa 300 Läden, die auf Kunden warten. Leider hat der Reiseführer nicht dazu gesagt, dass der größte Teil dieser Läden zu ca. 30-40 Ketten gehören, die auf der gesamten Länge der Straße teilweise ein halbes Dutzend Filialen haben (natürlich mit identischem Angebot). Allgemein haben wir festgestellt, dass die meisten Läden, Restaurants und sogar Pubs in London zu großen Ketten mit identischen Karten und Preisen gehören. Aber auch so gab es viel zu sehen und im Gegensatz zum Essen sind die Preise bei Textilien und Lederwaren sehr niedrig. Ich weiß nicht, ob die Füße immer noch von den Tagen zuvor weh getan haben oder ob die gelaufenen Kilometer durch die Läden dafür gesorgt haben – als es am frühen Nachmittag Zeit wurde, zum Hotel zurückzukehren und die Heimreise anzutreten, waren wir doch froh, dass wir in der Tube nicht stehen mussten.

Der Heimweg

Wir verstauten im Hotel noch die Einkäufe so, dass wir mit zwei Rücksäcken und zwei Umhängetaschen auskamen und verließen das Haus zum letzten Mal. Etwas wehmütig war uns schon zumute und wenn zu Hause nicht das kleine beige Fellknäuel auf uns gewartet hätte – wir wären gerne länger geblieben. Die letzte Fahrt mit der Tube, von Bayswater mit der Circle Line bis Notting Hill Gate, dann in die Central bis Liverpool Street – „mind the gap, please“, das gebetsmühlenartige Mantra der CCTV-überwachten Großstadt, deren Herzschlag so schnell und doch gelassen ist, die Ampeln, deren Rot-Grün-Zyklus weniger als Gesetz denn als unverbindlicher Vorschlag angesehen wird – all das wird uns fehlen. Eine dreiviertel Stunde noch im Stansted Express, die Customs auf dem Flughafen… schon saßen wir am Terminal, warteten auf die Maschine. Dann Rückenwind mit 180 km/h, nach nicht mal 50 Minuten landeten wir in Hannover.

Es war sehr schön. London, wir werden wiederkommen!

London 2013, dritter Tag

Auch wenn ich schon lange wieder zu Hause bin, will ich doch die letzten beiden Tage der Reise nicht unterschlagen. Und die Bilder werde ich auch noch nachliefern, wenn auch nicht sofort. Schließlich geht es für mich gleich mit den nächsten Herausforderungen weiter. Aber wieder zurück zur Reise!

Indien – oder so ähnlich

Unser erster Weg an diesem Tag führte uns weit raus in den Osten der Stadt – in den Who Shop. Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat: Ich bin ein Fan von Doctor Who. Und wenn man dann schon mal in der Stadt ist, wo es den Fan-Shop gibt, dann besucht man ihn auch. Wie gesagt, der Laden liegt etwas außerhalb, nach etwa einer dreiviertel Stunde Fahrt mit der Tube waren wir dann auch in der Nähe. Blöderweise sind wir direkt am Ausgang der Bahnstation links statt rechts gegangen und haben uns dann unfreiwillig, bis uns unser Fehler aufgefallen ist, das indische Viertel angeschaut. Interessant war das schon, die ganzen Läden zu sehen mit den aufwändigen indischen Gewändern, mit glitzerndem Schmuck oder großen Eimern und Säcken von  Nahrungsmitteln, die unsereiner nicht mal benennen könnte. Wenn es nicht so kalt gewesen wäre, hätten wir geglaubt, tatsächlich in Indien zu sein.

Viele blaue Boxen

Letztlich haben wir den Laden aber doch gefunden, stöberten durch die Auslagen und bewunderten die Dekoration. Neben zwei TARDISen in (von denen mindestens eine ein Originalrequisit in einem Film war) und einem Dalek in Originalgröße gab es wirklich alles mögliche: Bücher, DVDs, CDs, Spiele, und so weiter. Obwohl ich mich noch zurückgehalten habe, verließen wir den Laden 60 Pfund leichter… leider Pfund Sterling und nicht Körpergewicht! Aber die Shopbesitzer waren wirklich nett und lustig und ich könnte mir vorstellen, dort wieder hin zu gehen, wenn ich wieder in der Nähe bin.

Tower Bridge

Leider hat uns an diesem Tag der Sonnenschein verlassen und wir lernten das (für Clausthaler nicht gänzlich unbekannte) Londoner Standardwetter kennen: Nieselregen, bevorzugt mit Windböen. Deswegen haben wir nur einen kurzen Abstecher zum Tower und der zugehörigen Brücke gemacht, bevor wir dann dem nächsten Museum einen Besuch abgestattet haben.

Museum of London

Das Museum of London beschäftigt sich mit der Geschichte der Stadt selbst. Es beginnt mit der Lage der heutigen Stadt an der Themse, erklärt, was sich dort befand, noch bevor die ersten Menschen dort siedelten. Man kann sich anschauen, wie die ersten Hütten aufgebaut waren, wie später die Römer ihre Häuser bauten und einrichteten. Münzen und andere Funde aus allen Epochen, jeweils im Kontext ihrer Zeit. Weiter über das Mittelalter, das große Stadtfeuer, die Pest, alles wird mit Videos, Modellen, Karten und Funden dargestellt.

In einem Teil des Museums sind verschiedene Läden und Räume aufgebaut, wie sie in der viktorianischen Zeit ausgesehen haben. Man hat den Eindruck als ginge man durch ein Stadtviertel aus dieser Zeit. Weiter gehts bis in die Neuzeit, immer mit Informationen, wie groß die Stadt jeweils ist, welche Rolle sie in der Welt spielt und wie sie sich weiter entwickelt. Aber auch in diesem Museum gibt es viel zu viel zu sehen, um es alles an einem Tag zu verarbeiten.

Auch an diesem Abend sind wir mit schmerzenden Füßen nach Hause, haben uns aber nicht so lange Zeit gelassen, bevor wir in den Pub gegangen sind (einen anderen als am Vorabend), so dass wir dieses Mal auch was leckeres zu essen bekommen haben. Trotzdem mussten wir uns langsam darauf einstellen, dass wir am nächsten Tag wieder unsere Sachen packen und nach Hause fliegen würden. Aber erst am Abend…

London 2013, zweiter Tag

Wir haben sehr gut geschlafen, auch wenn es zumindest mir etwas zu warm war. Unglaublich: Januar, die Heizung komplett aus, Fenster und Türen dämmtechnisch auf einem Stand von vor mindestens 50 Jahren, aber das Zimmer ist warm!

Frühstück: reichhaltig. Verschiedene Sorten Müsli, drei Säfte, Toast, hell oder dunkel, Brötchen, Croissants, Schokobrötchen, Eier, Käse, Wurst, Marmelade und noch mehr. Auf Wunsch und gegen Aufpreis gibt es auch britisches Frühstück. Das coolste ist aber der Durchlauf-Toaster, anders lassen sich die Mengen an einem normalen Hotelmorgen aber auch nicht bewältigen.

Die blaue Box

Nach dem Frühstück, das Wetter war nach einem Regenguss in der Nacht wieder richtig schön, ein kurzer Besuch an der Earl’s Court Station, dort steht vor dem Ausgang die einzige blaue Police Box Londons in freier Wildbahn. Diese ist auch relativ neu, auf dem Dach befindet sich eine der allgegenwärtigen CCTV-Kameras, die London sicherer machen sollen. Auch wenn sie damit nur teilweise der TARDIS entspricht, ist ein Besuch und Foto der Box ein Muss für jeden Doctor Who Fan.

Das Science Museum

Danach ging es ins Science Museum. Wir sind zwar gewarnt worden, dass es groß ist, aber wir haben es trotzdem vollkommen unterschätzt. So sind wir deutlich länger dort geblieben als wir wollten und haben selbst so noch nicht alles gesehen. Es gab eine Sonderausstellung über Alan Turing, die mich als Informatiker natürlich besonders interessierte. Neben Logikrechnern und Lochkartenmaschinen, die zu seiner Zeit den Stand der Technik repräsentierten, gab es auch einiges über seine Person und natürlich auch seine Arbeit zu sehen. In dem Zusammenhang dürfen natürlich auch die deutschen Enigma-Codiermaschinen nicht fehlen, von denen dort in einer Vitrine gleich drei verschiedene Versionen ausgestellt wurden.

Die Dauerausstellung umfasst Werkzeuge, Maschinen, Modelle und Produkte seit der viktorianischen Zeit bis ungefähr zur Jahrtausendwende. Die Sammlung erschlägt einen förmlich mit ihrem Umfang, man kann das alles gar nicht so schnell erfassen, wie der Blick schon weiter wandert. An einer Stelle findet sich sogar ein kleiner Spielzeug-Dalek. Schon wieder Doctor Who. Weitere Bereiche befassen sich mit der Erkundung des Weltalls, aktueller Forschung und technischen Trends. Und das war nur das Erdgeschoss.

In einem Teil des Untergeschosses befindet sich das Google Web Lab, eine Art experimenteller Spielplatz, der die Besucher zum Mitmachen animiert und auch aus dem Netz besucht und bedient werden kann.

Wir haben uns dann noch die Computerabteilung im zweiten Stock angeschaut, die leider technisch auf dem Stand der Achtziger stehen geblieben ist, dafür allerdings viele schöne mechanische Rechner bis zurück zu Leibniz und Schickard zeigt und die Dauerausstellung zum Thema Medizin im vierten und fünften Stock.

Es war insgesamt wirklich viel zu viel, um es alles aufzunehmen. Das schöne ist, dass die von der öffentlichen Hand geführten Museen keinen Eintritt verlangen sondern nur um Spenden bitten. Da kann man gerne öfters hinein gehen und sich alles in Ruhe anschauen. Wenn man in der Nähe wohnt.

An dem Abend brannten unsere Füße noch mehr als am Vortag, aber wir wollten wenigstens noch einmal kurz raus, um in einem Pub ein Bier zu trinken und einen kleinen Happen zu essen. Zum Essen waren wir leider zu spät dort, aber das Bier war gut und wir sind dann auch recht schnell wieder nach Hause.

Hätten wir an dem Morgen gewusst, wie das Wetter am dritten Tag wird, wir hätten anders geplant. Aber dazu mehr im nächsten Teil.

London 2013, erster Tag, zweiter Teil

Wie versprochen, folgt nun der zweite Teil von ersten Tag: Sightseeing London. Bilder werde ich nachträglich einfügen, wenn ich wieder zuhause bin.

Baker Street

Wir waren zwar noch etwas müde und geistig auch noch nicht ganz angekommen, aber den noch jungen Tag wollten wir trotzdem nutzen. Der erste Weg führte uns zum Wohnort des wohl bekanntesten Detektivs von London. Obwohl er nur ein fiktiver Charakter ist, steht die Adresse „221b Baker Street“ ganz im Zeichen von Sherlock Holmes. Das Museum kostet £6 Eintritt pro Person, dafür kann man sich im Haus frei bewegen, alles anschauen, fotografieren und vieles auch anfassen. Im Erdgeschoss ist ein museum shop, wo man auch die Tickets kauft. Im ersten und zweiten Stock sind die Wohnräume von Holmes und Watson dargestellt (mit brennenden Kaminen und Kerzen in den Leuchtern) in den Stockwerken darüber Szenen aus den Romanen, bis hin zum stilechten Badezimmer unterm Dach.

Der Besuch ist nicht gerade billig, insbesondere gemessen an der Größe der Ausstellung, aber der Detailreichtum und die liebevolle Ausgestaltung wiegen den Preis in jedem Fall auf. In Fußreichweite lag von dort auch gleich Madame Tussauds, aber die Wachsfiguren schauen wir uns ein anderes Mal an.

Buckingham Palace und Regierungsviertel

Stattdessen sind wir mit der Tube zur Victoria Station gefahren und von dort zum Buckingham Palace gelaufen. Die Queen war zu Hause, aber wir konnten uns leider keine Zeit nehmen, um ihr eine Audienz zu gewähren. 😉 Aber man muss schon zugeben, ein schönes Häuschen hat sie dort. Aber auch sehr verkehrsgünstig gelegen.

Von dort ging es durch den St. James Park ins Regierungsviertel. Dieser Park ist ein halber Zoo, Enten, Gänse, Pelikane, was nicht alles für Wasservögel und – Eichhörnchen. Viele. Im Januar. Und zutraulich ohne Ende. Gut, das mag daran liegen, dass sie dort auch von allen gefüttert werden. Aber teilweise sind sie den Leuten die Beine hoch geklettert!

Als nächstes haben wir Westminster Abbey und die Houses of Parliament angeschaut, wenn auch nur von außen. Dank unserem zufällig perfekten Timing standen wir auch pünktlich zum 2-Uhr-Gongschlag von Big Ben vor dem Turm. Die Downing Street war komplett verriegelt, nur ein vergitterter Blick in die Straße war möglich, also sind wir weiter über den Trafalgar Square bis zum Piccadilly Circus gelaufen.

Zurück im Hotel

Es war zwar noch hell, aber nach bestimmt sieben Stunden auf den Beinen und kaum einer Pause waren die Füße platt und der Magen hing in den Kniekehlen.

Wir sind dann wieder zurückgefahren Richtung Hotel, haben im Viertel bei einem preiswerten aber leckeren Italiener noch etwas zu Abend gegessen und sind ins Hotel zurückgegangen. Dort haben wir dann auch unsere Zimmerschlüssel bekommen und unser Gepäck wieder in Empfang genommen.

Das Zimmer ist zwar klein, aber sauber und es ist alles drin, was man braucht. Das erst vor kurzem renovierte Bad hat sogar eine Wanne, was uns an dem Abend besonders gut getan hat. Wir waren für den Tag dann auch erledigt und ich hab die Gelegenheit genutzt, wenigstens eine Folge Doctor Who im britischen Fernsehen zu sehen. Es war zwar eine aus der letzten Staffel, daher kannte ich sie schon, aber zusammen mit den leckeren Chips (die man hier als Crisps bezeichnet, Chips heißen hier unsere Pommes) wars ein gelungener Ausklang des Tages.

Coming soon: Der zweite Tag. Leckeres Frühstück, eine blaue Box und das Science Museum.

London 2013, erster Tag, erster Teil

Nachdem meine Freundin überraschend eine Woche Urlaub bekommen hat, haben wir uns entschlossen, eine Kurzreise nach London zu machen. Für mich ist es der erste Besuch, sie war schon mal vor über 10 Jahren dort.

Das erste Abenteuer war eigentlich schon die Buchung, aber nachdem wir im dritten Reisebüro auf einen kompetenten Berater gestoßen sind, der darüber hinaus selbst ein großer London-Fan ist, lief eigentlich alles ganz glatt.

Anreise

Der Flug ging um kurz vor sieben Uhr morgens. Beide ziemlich nervös, wir haben kaum geschlafen. Aber wir mussten ja auch schon um kurz nach drei losfahren. Und kratzen. Es waren nämlich -10°C draußen. Aber die Straßen waren trocken, wir sind gut durchgekommen und auch am Flughafen lief alles glatt.

Ich muss dazu sagen, ich bin das erste Mal geflogen und hatte dementsprechend etwas Sorgen, ob ich das so vertrage, aber: keine Probleme.

Ankunft am Flughafen Stansted. Ein ganz anderes Klima: Warm, Plusgrade, strahlender Sonnenschein. Der Express in die Innenstadt fuhr am Wochenende nicht aufgrund von Bauarbeiten, es gab aber einen Ersatzbus. So haben wir wenigstens was von der Umgebung gesehen. Während in Stansted noch Schnee lag, war davon in London nichts mehr zu sehen. Aber Sonne!

In London ging es weiter mit der Tube, wir haben freundlicherweise zwei Oyster cards von Bekannten geliehen bekommen, mit denen wir uns hier preisgünstig frei bewegen können.

Im Hotel angekommen, waren die Zimmer noch nicht fertig, aber es war ja noch früh am Tag. Den Check-in haben wir trotzdem schon erledigen können und unser Gepäck konnten wir auch zwischenlagern. Danach sind wir raus zum ersten London-Tag. Darüber schreibe ich dann später weiter.

2013: Zeit des Umbruchs

Die letzten Monate habe ich mich stark zurückgezogen und wenig geschrieben, dafür sehr viel nachgedacht und hinterfragt. Grund dafür: Es hat im letzten Vierteljahr sehr entscheidende Veränderungen in meinem Leben gegeben, deren Auswirkungen auch noch eine ganze Weile anhalten werden.

Einige Menschen aus meinem persönlichen Umfeld haben mich sehr enttäuscht; Leute, denen ich vertraut habe, haben mich im Stich gelassen. Dafür habe ich auch neue Leute kennengelernt und längst eingeschlafene Kontakte wieder entdeckt, mit deren Zuspruch ich eigentlich nicht mehr gerechnet hätte.

2013 wird alles anders: Mittelfristig werde ich auch einige gute Dinge in meinem Leben aufgeben müssen, ohne zu wissen, was da kommt. Ob es insgesamt besser wird, weiß ich nicht.

Wie geht man mit einer solchen Situation um?

Die angesprochenen Veränderungen haben mir etwas spürbar deutlich gemacht, das ich eigentlich schon lange wusste, aber auf die leichte Schulter genommen habe:

Fortschritt findet immer außerhalb der eigenen Komfortzone statt.

Über die Jahre kann sich aus Bequemlichkeit (Komfortzone eben) und dem Wissen, dass das, was man hat, zwar nicht optimal, aber trotzdem „ganz ok“ ist, eine ganze Reihe schlechte Lebensbedingungen entwickeln. Diese Entwicklung, auch als Boiling Frog Syndrome bekannt, hat bei mir voll zugeschlagen, in meinem Fall köcheln da aber gleich mehrere Frösche in verschiedenen Phasen vor sich hin. Das heißt, einer hat es schon hinter sich.

Das heißt aber auch, dass ich die Komfortzone zwangsweise verlassen habe und nun keine Ausrede mehr habe, mich vor einer Weiterentwicklung zu drücken. Die erste Herausforderung liegt aber darin, diese Entwicklung zu strukturieren:

  • Zum einen sollte man nicht zu viele Baustellen zugleich aufzureißen, damit die Energie nicht wirkungslos verpufft.
  • Gleichzeitig darf man notwendige Veränderungen nicht zu lange aufschieben, sonst bricht einem im unpassendsten Moment die Basis weg.

Das schwierige daran ist, dass man im Voraus oft nicht weiß, welche Veränderung wie viel Aufschub verträgt oder wie viel Energie einem jede Baustelle abverlangt. Dann darf man aber trotzdem nicht abwarten, bis man alle diese Infos zusammen hat, denn höchstwahrscheinlich wird man sie nie alle zusammen bekommen. Manchmal muss man einfach eine Schätzung abgeben und hoffen, dass es stimmt. Aufgrund dieser Schätzung trifft man eine Entscheidung, was man als nächstes angeht und welche kleinen Nebenprojekte da noch reinpassen. Aber mehr als 2, vielleicht 3 Projekte kann keiner gleichzeitig stemmen. Und davon darf auch nur eines ein wirklich großes sein. Erst wenn man diese erste große Baustelle abgeschlossen hat, kann man sich die nächste vornehmen.

Die nächste Herausforderung liegt in der Baustelle selbst:

  • Wenn man einmal beschlossen hat, etwas zu ändern, muss man es auch anfangen. Das fällt leicht, solange man sowieso keine Wahl (mehr) hat. Wenn einen die Entscheidung aber aus der bisherigen Komfortzone herausführt, braucht man einen starken Willen und oft genug auch Mut.
  • Wenn man einmal angefangen hat, darf man nicht aufgeben. Gerade an der Grenze der Komfortzone kann es ganz schon hart werden, aber auch außerhalb kann etwas schief gehen, was einen vielleicht sogar zurückwirft. Dann braucht man Beharrlichkeit, manchmal sogar Sturheit.
  • Und wenn man das Ziel fast erreicht hat, kann man noch nicht verschnaufen, sondern muss dran bleiben. Die Zielgerade sieht so aus, als wäre sie eben, aber sie hat immer noch eine leichte Steigung. Wer jetzt nicht weiter strampelt wird überholt und fällt zurück. In dieser Phase braucht man Ausdauer und manchmal auch Leidensfähigkeit.

Das erfordert viel Energie. Freunde und Vertraute können einem dabei helfen: Mut zusprechen, Beharrlichkeit, indem sie einem eine kurze Verschnaufpause gönnen und einen dann wieder an sein Ziel erinnern und Ausdauer durch beherztes Anfeuern.
Viel wichtiger ist aber die eigene Energie. Und da gibt es eine besonders ergiebige, aber nicht ungefährliche Quelle: Die eigene Wut. In die richtigen Bahnen gelenkt erzeugt sie den starken Willen, die Sturheit und zuletzt auch die Leidensfähigkeit. Und diese Wut kann jeder aufbringen, denn immer gibt es Neider und Kritiker, denen man beweisen will, dass man es schafft.

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